Diese Geschichte soll nicht nur von dem Verhältnis zwischen meinem Bruder und mir handeln, allerdings ist er ein entscheidener Teil meines Lebens gewesen.
Es war weniger ein Heim, in das er kam, eher ein Internat. Später erzählte er mir, das sie dort misshandelt wurden und durch ihn das ganze Institut schliessen musste.
In den Ferien kam er immer zu uns. Wir verstanden uns zwar besser als vorher, aber an einigen Tagen waren wir doch mehr wie Hund und Katz.
Das ging mehrere Jahre mehr oder minder gut. Eines Tages nahm er dann die Beine in die Hand und verschwand dort. Erst als ich älter war, erfuhr ich, das es ihn wieder nach Berlin verschlagen hat. Um genauer zu sein, er suchte sich Freunde am Bahnhof Zoo.
Nach einigen Hin und Her, ich kann mich an die einzelheiten nicht erinnern, kam er zu einer Familie nach Schlesswig Holstein, die sich auf solche Fälle spezialisiert haben. Dort sollte er seine Schule zuende bringen.
Also ging es so weiter. Er war nicht da und kam nur in den Ferien. Immer wenn bei uns war, gab es ein Ritual für ihn. Er stand morgens auf und guckte sich Rocky Filme und Dirty Dancing an. Seit dem kann ich diesen Film nicht mehr sehen. Ich war so genervt davon.
Nach den Sommerferien, als ich 10 oder 11 war, war es wieder soweit. Er musste los Richtung Norden. Am Abend, als er schon weg war, fiel mir eine seiner Taschen, die er wohl vergesssen hatte, in meinem Schrank auf.
Zwischen einigen Klamotten fand ich auch Kassetten. Natürlich schnappte ich sie mir und packte sie auch gleich in mein Kassettenrekorder. Auf einer von ihnen war der Soudtrack von dem Film “Der kleene Punker”, auf den anderen Böhse Onkelz und Dimpel Minds. Ich weiss bis heute nicht, warum ich die so toll fand, aber die Tapes liefen seit dem ständig.
Durch meine Cuisine kam ich dann auch schnell auf Slime und Normahl.
Mein Leben ging weiter, nur das ich jetzt auf den Geschmack von Musik gekommen bin, die Eltern damals nicht sonderlich toll fanden.
Ic besuchte meinen Bruder auch einmal für wenige Tage. Das Dorfleben war witzig und ungewohnt für mich. Ich lernet seine Freundin kennen, wir gingen Nachtangeln und machten einen Ausflug nach Dänemark. An diesen erinnere ich mich nich so gern zurück, weil ich auf der Busfahrt tierisch gekotzt habe.
Mein CD und Plattensamlung wurde immer weiter ausgeweitet. Allerdings wurden die Bands immer härter. Eines Tages war ich mit meinen Eltern auf einen Trödelmarkt. Bei einem CD Stand entdeckte ich eine Napalm Death CD. Den Namen hatte ich auf irgendeiner Punk Platte schon mal gelesen. Also wurde sie gekauft. Man, das war ja der Hammer. Schnell, hart, voll nach meinem Geschmack.
Der änderte sich so wieso gerade. Mit meiner Cuisine fing ich schon vor geraumer Zeit an Horrorfilme zu gucken. Mit vorliebe für Splatterstreifen. Man, war ich stolz darauf, das ich der erste in meiner Klasse war, der “Freitag der 13.” gesehen hat.
Aber zurück zu meinem Bruder.
In den darauffolgenden Ferien schleppte er mich mit zum Zoo. Dort schien er immer hin zugehen, wenn er in Berlin war. Ich war begeistert davon, das er dort echt bekannt war. Jeder grüßte ihn. Und da er 5 Jahre älter war als ich, war er natürlich auch ein leichtes Vorbild.
Er erzählte mir immer, das er sich um die Junkies kümmert und sie versucht von dem “H” runter zu bekommen.
Jedenfalls habe ich den verführerischen Duft der Freiheit getestet. Seit dem ging es bei mir auch bergab.
In der Schule war ich nur noch gelangweilt. Einerseits gab es für mich keine Herausforderung und andereseits hatte ich nach der Schule besseres zu tun als Hausaufgaben zu machen. Ich fing an meinem Vater Zigarretten zu klauen und manchmal, wenn meine Eltern im Garten schliefen, hatte ich mir mit einem Kumpel die Hausbar vorgenommen. Eines Tages, meine Eltern waren bei Verwandten und ich allein über Nacht, Lud ich meine Kumpel ein. Wir gingen erst sehr spät in den Garten, weil ich wusste, das mein Vater zwei Gaspistolen hatte. Die schnppten wir uns und zogen los. Erst sind wir mit der U- Bahn gefahren und dann noch ein Weilchen durch die dunklen Strassen der Großstadt bis zum Ku’damm gelaufen. Das war ein Abenteuer. Mit nicht ganz 12 Jahren Nachts bewaffnet in der Gegend rumspatzieren ohne das jemand was wusste oder gar uns einschränkte. Das Leben ohne Vormund wurde immer reitzvoller.
Kurz vor seinem Abschluss verschwand mein Bruder auf’s neue. wirklich nur ein paar wochen bevor er fertig gewesen wäre. Nach wenigen Tagen lief er mir über den Weg. Er stand neben einem uralt Van ohne Frontscheibe. Die haben mein Bruder und einer seiner Freunde auf dem Weg nach Berlin verlohren.
Ich sollte meinen Eltern nichts davon sagen, das ich ihn traf. Das tat ich natürlich auch. Ich wollte ja kein Arsch sein. Ausserdem war ich etwas neidisch auf seine Freiheit.
Manchmal besuchte ich ihn am Zoo. Großen Kontakt zu den anderen Leuten hatte ich aber nie.
Ich nahm davon auch abstand, als mir dort was passierte. Mein Bruder rief ich zuhause an und fragte mich nach seiner Gasknarre. Die sollte ich ihm nächsten Tag zum Zoo bringen. Sie lag noch zwischen seinen Sachen, die er wieder mal hier vergass.
Nächsten Tag krallte ich mir das Teil und fuhr los. Es war schon ein komisches Gefühl am hellichten Tag mit so einem Ding unterwegs zu sein. Ich stieg aus der U Bahn und ging hoch auf den Bahnhof. Doch hatte ich keinen Plan, wo er war. Wir hatten keinen Treffpunkt ausgemacht. Somit irrte ich erst ein weilchen umher und began, die typischen Plätze abzugrasen. Erst hinten bei denSchliessfächern, dann kurz zur Bahnhofsmission, wo ich auch an den Strichern vorbei kam. Er war nicht zu finden. Als ich wieder aus der Jebenstrassen in den Bahnhof einbog, quatschte mich nach ein paar Metern ein alter Kerl an, was ich da so mache. Ich sagte ihm, das ich meinen Brucder suche und fragte, ob er ihn vielleicht kennt. Er kannte ihn, meinte aber, das er ihn heute noch nicht gesehen hat. Dann kam die Frage, die mich zurückstrecken liess. “Willst du mit zu mir kommen und auf ihn warten?” Ich war jung und sicher auch naiv, sonnst wäre ich nicht am Zoo mit einer Knarre, aber blöd war ich nicht. Also winkte ich ab mit dem Spruch:”Nee nee, ich finde ihn schon, danke.” Zum glück war er nicht weiter aufdringlich und liess mich in Ruhe gehen. Meinen Bruder hatte ich an dem Tag allerdings auch nicht gefunden.